Lichttherapie bei Depressionen?

Lichttherapie bei Depressionen?

Bei einer saisonalen Depression (SAD), die in den Wintermonaten (dunkle Jahreszeit) auftritt, kann eine Lichttherapie das Mittel der Wahl sein. Dies insbesondere dann, wenn nur leichte Symptome auftreten.

Bei der Lichttherapie wird der Patient für eine Dauer von 20 – 60 Minuten hellem Kunstlicht ausgesetzt. Man spricht auch von einer „Lichtdusche“. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte Tageslichtlampen. Das sind Leuchten, die mit großer Helligkeit Licht in einem Spektrum abgeben, das dem des Tageslichts ähnlich ist. Man vermutet, dass durch den Einsatz morgens nach dem Erwachen die nächtliche Produktion des Hormons Melatonin beendet bzw. reduziert wird. Da Melatonin im Verdacht steht, eine depressionsfördernde Wirkung zu haben, wirkt das Verfahren gegen Depressionen. Auch Müdigkeit am Tage kann mit einer Lichttherapie erfolgreich behandelt werden.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass es insbesondere wichtig ist, dass die Lichttherapie möglichst früh am Morgen durchgeführt wird. Da es nicht immer einfach sein wird, beim Arzt entsprechende Termine zu bekommen, kann man darüber nachdenken, eine Tageslichtleuchte für zu Hause anzuschaffen. Bei der Auswahl ist jedoch Sorgfalt geboten, da nicht alle angebotenen Leuchten das Licht in ausreichender Menge und mit dem optimalen Lichtspektrum abstrahlen.

Eine natürliche „Lichttherapie“ kann man selbst durchführen, indem man sich beim ersten Tageslicht oder generell am Tage für mindestens 30 Minuten unter freiem Himmel aufhält. In den Wintermonaten bieten Tageslichtleuchten eine brauchbare Alternative.

Hinweis:
Bei einer echten Depression ist eine Lichttherapie keine ausreichende Therapie. Sie sollte dabei lediglich als Unterstüzung der Behandlung durch einen Arzt verwendet werden.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch Depressionen - erkennen - verstehen - überwinden von Alexander Stern.
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Hilft Johanniskraut bei Depressionen?

Hilft Johanniskraut bei Depressionen?

Die Johanniskräuter sind eine Pflanzengattung innerhalb der Johanniskrautgewächse. Bekannt ist vor allem das medizinisch genutzte „Echte Johanniskraut“. Johanniskräuter sind weltweit verbreitet und werden in vielen Kulturen zum Teil schon seit Tausenden Jahren als Heilpflanzen verwendet. Seitdem seit den 1990er Jahren der Bedarf an Johanniskrautpräparaten rapide angestiegen ist, kann er nicht mehr durch das Sammeln wild wachsender Pflanzen allein gedeckt werden. Johanniskraut gehört deshalb zu den wichtigsten in Deutschland angebauten Arzneipflanzen. Es wurde schon in der Antike als Heilpflanze verwendet und wird heute bei leichten bis mittelstarken depressiven Verstimmungen und bei nervöser Unruhe eingesetzt.

Studien zeigen: Johanniskraut kann bei Depressionen helfen

Es liegen zahlreiche Studien vor, die belegen, dass Johanniskraut bei depressiven Verstimmungen aber auch bei leichten Depressionen helfen kann. Einige Studien kommen gar zum Schluss, dass Johanniskraut ähnlich gut wirkt wie moderne Antidepressiva. Dabei hat Johanniskraut den entscheidenden Vorteil, dass die unerwünschten Nebenwirkungen in der Regel seltener sind und milder ausfallen. Eine Ausnahme stellt die Unverträglichkeit mit bestimmten anderen Medikamenten dar, (siehe unten). Es zeigte sich, dass auch Johanniskrautpräparate, ähnlich wie synthetische Antidepressiva, eine Wirklatenz haben. Das heißt, die antidepressive Wirkung von Johanniskraut setzt erst nach einigen Wochen der Einnahme ein.

Kein Drogerie-Johanniskraut!
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Präparate, die man frei in der Drogerie oder Apotheke kaufen kann, eine viel zu geringe Wirkstoffkonzentration haben, um tatsächlich wirksam zu sein. Wenn Ihr Arzt der Ansicht ist, dass Johanniskraut gegen ihre depressive Verstimmung helfen kann, wird er Ihnen ein wirksames Präparat verschreiben. Abzuraten ist von der Bestellung von Johanniskrautpräparaten im Internet. Sofern es sich nicht um einen in Deutschland ansässigen, seriösen Anbieter handelt, ist oftmals völlig unklar, welche Inhaltsstoffe und Verunreinigungen geliefert werden.

Johanniskraut ist nicht gleich Johanniskraut
Und das betrifft nicht nur die Dosierung. Da bisher nicht geklärt ist, welcher Wirkstoff der Johanniskrautpflanze gegen Depressionen wirkt, kann man kaum einschätzen, welche Pflanzen besser oder weniger geeignet sind. Je nach Standort und Wachstumsbedingungen können die Bestandteile der Pflanzeninhaltsstoffe durchaus unterschiedlich sein.

Nebenwirkungen
In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass die unerwünschten Nebenwirkungen von Johanniskrautpräparaten meist weniger stark ausfallen als bei synthetischen Antidepressiva. Als häufigste Nebenwirkungen wurden Kopfschmerzen, Erregung, Müdigkeit und phototoxische Reaktionen (Überempfindlichkeit gegen Sonnenlicht) genannt. Während der Einnahme sollte man also grundsätzlich auf ausgedehnte Sonnenbäder oder Solariumbesuche verzichten.

Vorsicht Wechselwirkungen!
Wird Johanniskraut gemeinsam mit anderen Medikamenten eingenommen, kann es zu lebensgefährlichen Wechselwirkungen kommen. Ein weiterer Grund, warum Sie Johanniskraut nur nach Absprache mit Ihrem Arzt, und auf dessen Empfehlung, einnehmen sollten.

Johanniskraut kann unter anderem mit folgenden Medikamenten gefährliche Wechselwirkungen oder deren Wirkungsverlust zur Folge haben:

  • Herzmedikamente
  • Blutfettsenker
  • Präparate zur Empfängnisverhütung („Antibabypille“)
  • Magenschutzmittel
  • Medikamente für HIV-Patienten
  • Medikamente, die bei einer Chemotherapie zum Einsatz kommen
  • Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen des Immunsystems

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Lesetipps zum Thema Depression

Lesetipps zum Thema Depression

Wenn Sie sich noch weiter üer das Thema Depressionen informieren möchten, finden Sie im Folgenden einige lesenswerte Bücher zu diesem Thema.

Depressionen: Erkennen – verstehen – Üerwinden

Stern, Alexander  (ISBN 978-3864270468)
Das zur Zeit beste und umfangreichste Buch zum Thema Depressionen von einem der Autoren auf dieser Website. Viele Artikel auf unseren Seiten sind Auszüge aus diesem Buch. Auf fast 500 Seiten werden alle Fragen beantwortet, die Betroffene oder Angehörige zum Thema Depressionen haben.

Depressionen überwinden – “ Niemals aufgeben! (Stiftung Warentest)

Niklewski, Günter / Riecke-Niklewski, Rose (ISBN 978-3-86851-132-1)
Ein sehr empfehlenswertes Buch für Betroffene und Angehörige. Sachlich korrekt, informativ und gut verständlich geschrieben. Ein Standardwerk, das jeder gelesen haben sollte, der direkt oder indirekt von Depressionen betroffen ist.

Leben mit bipolaren Störungen: Manisch-depressiv: Wissen, das Ihnen gut tut

Bräunig, Peter (ISBN 978-3-8304-3524-2)
Eines der wenigen gut lesbaren Bücher über bipolare Störungen.

Wenn die Seele den Körper leiden lässt

Loew, Thomas; Köllner, Volker (ISBN 9783893734184)
Der Autor, Dr. med. Thomas Loew beschreibt anschaulich und gut verständlich die Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper. (Leider zur Zeit nur noch gebraucht zu bekommen)

Hilfen bei Stress und Belastung

Tausch, Reinhard (ISBN 978-3-499-60124-8)
Der bekannte Psychologe, Professor Tausch, zeigt hier sehr praxisnah, wie man Stress im eigenen Leben reduzieren und besser mit Problemen umgehen kann.

Der achtsame Weg durch die Depression

Williams, Mark / Teasdale, John / Segal, Zindel / Kabat-Zinn, Jon (ISBN 978-3-936855-80-7)
Ein leicht verständliches Buch zum Thema Depressionsbewältigung durch Achtsamkeit. Die Autoren sind renommierte Vertreter der Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie (MBCT). Im Buch enthalten sind zwei CDs mit Achtsamkeitsübungen.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen

Hautzinger, Martin (ISBN 3-621-27512-6)
Das Buch richtet sich sowohl an Therapeuten, aber auch an interessierte Laien. Wenn Sie wissen wollen, worauf die Theorie der (kognitiven) Verhaltenstherapie basiert und wie diese in der Praxis abläuft, ist dieses Buch richtig für Sie.

Das glückliche Gehirn

Amen, Daniel G. (ISBN 978-3442171521)
Ein medizinisch orientiertes Buch, das sich unter anderem mit der Wirkung von Psychopharmaka auf das menschliche Gehirn beschäftigt.

Die neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: – Gesund werden ohne Medikamente

Servan-Schreiber, David (ISBN 978-3442153534)
Der Autor beschäftigt sich vor allem mit alternativen Behandlungsmethoden psychischer Störungen, die ohne Psychopharmaka und Psychotherapie auskommen. Stattdessen schlägt er traditionelle Behandlungsmethoden, gesunde Ernährung und einige alternative Behandlungen, wie zum Beispiel EMDR (Augenbewegungen) vor.

Das Monster, die Hoffnung und ich: Wie ich meine Depression besiegte

Brampton, Sally (ISBN 978-3404616534)
Die Autorin schildert anschaulich und aufrichtig ihren Weg durch die Depression.

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Hilfe, mein Antidepressivum wirkt nicht!

Hilfe, mein Antidepressivum wirkt nicht!

Auch bei korrekter Einnahme und Abwarten der Wirklatenz eines Antidepressivums kommt es immer wieder vor, dass Patienten darüber klagen, keine oder eine nicht ausreichende Wirkung zu spüren. Das ist natürlich für den Patienten erst einmal enttäuschend. Hatte er doch große Hoffnungen auf das Medikament gesetzt.

Allerdings ist es gar nicht selten, dass das erste verschriebene Antidepressivum noch nicht die erwünschten Wirkungen zeigt. Man geht davon aus, dass bei etwa der Hälfte der Betroffenen das als erstes verschriebene Mittel noch nicht optimal wirkt. Das ist auch kein Grund zur Beunruhigung. Denn anders als zum Beispiel Kopfschmerztabletten wirken Antidepressiva bei jedem Menschen anders. Das heißt, der behandelnde Arzt muss das Präparat bei Ausbleiben positiver Wirkungen nach einiger Zeit durch ein anderes Medikament ersetzen. Meist wirkt das neue Medikament (das möglicherweise aus einer anderen Wirkstoffgruppe stammt) besser als das zuerst verschriebene. In manchen Fällen muss sogar noch ein drittes Mittel ausprobiert werden, um das optimale Antidepressivum für einen Patienten zu finden.

 

Das hat auch nichts mit den Fähigkeiten oder dem Wissensstand Ihres Arztes zu tun, sondern ist ein ganz normales und übliches Vorgehen.

Grundsätzlich gibt es fast immer gute Alternativen, wenn ein Medikament nicht wie gewünscht wirkt:

Änderung der Dosierung und/oder des Zeitpunkts bzw. der Häufigkeit der Einnahme
Ersatz durch ein anderes Medikament
Kombination mit einem anderen Medikament
Darüber hinaus gibt es natürlich eine Vielzahl alternativer Behandlungsmethoden von Depressionen:

  • Psychotherapien
  • Achtsamkeits-Therapien
  • Schlafentzug-Therapien
  • Elektro-Krampf-Therapien
  • Transkranielle Magnetstimulation
  • Vagusnerv-Stimulation
  • Sport-Therapien

FAZIT:
Nicht immer zeigt das zuerst verschriebene Antidepressivum schon die gewünschte Wirkung.

Das ist kein Grund zur Beunruhigung. Es gibt viele alternative Medikamente, die Ihr Arzt Ihnen verschreiben kann. Manchmal müssen zwei oder gar drei verschiedene Antidepressiva ausprobiert werden, um das für einen Patienten passende zu finden. So gut wie alle Antidepressiva brauchen eine Anlaufzeit von mehreren Wochen, bis die Wirkung eintritt.

Neben der Behandlung mit Medikamenten gibt es viele weitere Therapiemethoden, die erfolgreich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden können.

Besprechen Sie das Vorgehen immer mit Ihrem Arzt. Ändern Sie nie eigenmächtig die Dosierung oder die Einnahmehäufigkeit Ihrer Medikamente.

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Was ist Achtsamkeit?

Was ist Achtsamkeit?

Noch bis vor wenigen Jahren war der Begriff Achtsamkeit im deutschsprachigen Raum kaum bekannt. Es konnten nur diejenigen etwas damit anfangen, die das Konzept der Achtsamkeit während ihrer Beschäftigung mit dem Buddhismus und insbesondere mit der Meditationsform des Vipassanā kennengelernt hatten.

Das änderte sich, als Vertreter einer mehr weltlichen Form der Vipassana-Meditation diese den Menschen im Westen leichter zugänglich machten.

 Insbesondere der vietnamesische Mönch, Thích Nhát Hánh („Ich pflanze ein Lächeln“) sowie der US-Amerikaner Jon Kabat-Zinn mit seiner Therapieform der „Achtsamkeitsbasierten Stress-Reduktion“ (MBSR = „Mindfulness Based Stress Reduction“) haben viel dazu beigetragen, dass das Thema Achtsamkeit bei uns im Westen bekannt wurde.

Stichwort: MBSR und MBCT

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Achtsamkeit werden Sie immer wieder auf die Buchstabenfolge „MBSR“ stoßen. Es handelt sich dabei um die Kurzform von „Mindfulness Based Stress Reduction“ oder auf Deutsch: „Achtsamkeitsbasierte Stress Reduktion“.
MBSR ist ein von dem Amerikaner Jon Kabat-Zinn entwickeltes Programm, in dem Achtsamkeit gezielt eingesetzt wird, um Patienten mit Stresserkrankungen oder chronischen Schmerzen zu behandeln.
Gleichzeitig ist MBSR eine besonders leicht erlernbare Methode der praktizierten Achtsamkeit, die von religiösen Elementen befreit wurde und deshalb ideal für jeden, unabhängig vom religiösen oder kulturellen Hintergrund, geeignet ist.
Wir werden uns mit der Methode des MBSR in den folgenden Artikeln noch eingehender beschäftigen.

Die sogenannte MBCT (Mindfulness Based Cognitive Therapy = „Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie“) ist ein psychologisches Therapieverfahren, das ebenfalls auf dem Grundprinzip von Achtsamkeit und Meditation basiert. Die Therapie wurde unter anderem von dem kognitiven Verhaltenstherapeuten Zindel V. Segal entwickelt. Sie diente ursprünglich vor allem der Rückfallprävention (Vermeidung von Rückfällen) bei Patienten, die unter Depressionen litten.

Die MBCT-Methode kombiniert Elemente des MBSR-Programms mit solchen aus der kognitiven Verhaltenstherapie, die zum Beispiel zur Behandlung von depressiven Patienten eingesetzt wird. Mehrere Studien belegen den Erfolg dieser Behandlungsmethode. Die Rückfallhäufigkeit bei Patienten, die bereits mehrere depressive Episoden (erneute Erkrankungen) erlebt hatten, wurde durch den Einsatz von MBCT deutlich gesenkt.

Achtung: Verwechslungsgefahr!

Der deutsche Begriff „Achtsamkeit“ birgt die Gefahr eines Missverständnisses, das zu Verwirrung und Unsicherheit führen kann.

Im Gegensatz zum Englischen, wo der Begriff „Mindfulness“ (Gewahrsamkeit, Achtsamkeit) verwendet wird, um den Zustand der Achtsamkeit zu beschreiben, hat der Begriff „Achtsamkeit“ im Deutschen mehrere Bedeutungen, was manchmal zu Verwechslungen führt. Wir werden uns deshalb im Folgenden zunächst damit beschäftigen, genau zu klären, was unter dem Begriff „Achtsamkeit“ zu verstehen ist.

Bitte klicken Sie nicht zu schnell weiter. Damit Sie Achtsamkeit auch in Ihrem Leben erfolgreich praktizieren können, ist es wichtig, dass Sie genau verstehen, was Achtsamkeit bedeutet. Sie finden dazu auf unserer Seite viele weitere Artikel, Beiträge, Anleitungen und Informationen.

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Wie kann man Achtsamkeit trainieren?

Wie kann man Achtsamkeit trainieren?

Grundsätzlich kann man zwei verschiedene Methoden unterscheiden, wie Achtsamkeit eingeübt, trainiert und gelebt werden kann:

1. Die formelle Praxis (Meditationen)
Darunter versteht man regelmäßig (möglichst täglich) durchgeführte Übungen, die nach einem ganz bestimmten Muster ablaufen.
Zur formellen Praxis gehören alle Übungen, die im normalen Sprachgebrauch als „Meditationen“ bezeichnet werden.
Diese Übungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel in einer ganz bestimmten Körperhaltung und Reihenfolge durchgeführt werden.
Formelle Übungen können entweder in der Gruppe oder auch allein zu Hause durchgeführt werden.
Zwei typische Übungen, mit denen wir uns später noch genauer befassen werden, sind der Body-Scan und die Sitzmeditation.

2. Die informelle Praxis (Achtsamkeit im Alltag)
Damit sind alle achtsam ausgeführten Tätigkeiten gemeint, die im ganz normalen Alltag durchgeführt werden, ohne dass dabei eine bestimmte Körperhaltung oder ein festgelegter Ablauf eingehalten werden muss.
Zur informellen Praxis oder „integralen Achtsamkeitspraxis“ gehören alle Situationen und Tätigkeiten, bei denen wir innehalten, um uns achtsam bewusst zu machen, was wir gerade tun und was dabei mit unseren Gedanken und Gefühlen geschieht.
Dabei kann es sich auch um ganz einfache Tätigkeiten wie das Zähneputzen, das Händewaschen oder die Essenszubereitung handeln.

Achtsamkeit erlernt man nicht durch Lesen und Nachdenken, sondern durch häufiges Üben!
Ein guter Vergleich zum Einüben von Achtsamkeit ist das Joggen. Viele Menschen beginnen damit, um etwas für ihre Gesundheit zu tun, Gewicht zu verlieren und so weiter.
Oft werden Sie von anderen dazu motiviert, die ganz begeistert davon berichten, wie viel Spaß ihnen das Laufen bereitet.

Beim ersten Lauftraining folgt allerdings meist die große Ernüchterung. Was, das soll Spaß machen? Muskeln und Gelenke schmerzen, der Schweiß läuft in Strömen und nach 500 Metern setzt eine Erschöpfung ein, die eine erste Pause erfordert. Dazu kommt, dass (gefühlt) alle anderen Läufer mit einem mitleidigen Lächeln vorbeiziehen und hinter der nächsten Wegbiegung verschwinden.
Viele Anfänger geben jetzt auf. Sie entscheiden, dass das Laufen eine Quälerei ist, für die sie völlig ungeeignet sind.

Einige halten aber durch. Sie beginnen mit kurzen Laufstrecken, machen regelmäßige Gehpausen und treten beim nächsten Lauftermin wieder an.
Schon nach wenigen Trainingseinheiten bemerken die „Standhaften“ dass sie ihre Laufstrecke von Mal zu Mal ein wenig verlängern können. Sie müssen auch nicht mehr so viele Gehpausen einlegen und der Muskelkater am nächsten Tag tritt auch immer seltener und weniger stark auf.
Nach einigen Monaten regelmäßigen Trainings stellen die Läufer dann fest, dass das Laufen fast wie von selbst geschieht. Die Erschöpfung weicht dem angenehmen Gefühl des „ausgepowert“ Seins.
Die Läufer stellen fest, dass sie durch das regelmäßige Laufen nicht nur Gewicht verloren, sondern auch Lebensfreude gewonnen haben.

Während des Laufens und danach fühlen sie sich einfach gut, schlafen besser, haben gute Laune und leiden seltener unter depressiven Verstimmungen. Dazu kommt die Vorfreude auf den nächsten Lauftermin.
Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn sie, wie viele andere, nach den ersten Trainingsversuchen aufgegeben hätten.

Der Moment, an dem manche aufgrund von Schmerzen, Erschöpfung und Frustration aufhören wollen, kann auch beim Trainieren der Achtsamkeit auftreten.
Besonders zu Beginn kann man manchmal kaum Fortschritte erkennen und die ganze Sache erscheint einem unter Umständen anstrengend und sinnlos.
Wenn das bei Ihnen passiert, denken Sie bitte an die Jogger. Halten Sie durch. Es wird von Mal zu Mal besser funktionieren. Nach einiger Zeit werden Sie dann vielleicht schon an einem „Achtsamkeits-Marathon“ teilnehmen.

Achtsamkeit ist wie Joggen. Sie macht mehr Spaß, je mehr man trainiert!

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