Was ist eine depressive Episode?

Was ist eine depressive Episode?

„Depressive Episode“ ist die wissenschaftlich verbindliche aktuell korrekte Bezeichnung für das Krankheitsbild Depression. Die Diagnose „Depressive Episode“ ersetzt die bis 1991 üblichen Bezeichnungen „Endogene Depression“ und „Neurotische Depression“. Eine Episode ist in diesem Zusammenhang also eine Krankheitsphase, während der bei einem Patienten die depressiven Symptome auftreten. Eine Episode hat immer eine begrenzte Dauer, wobei Beginn und Ende der Episode fließend sein können.

Eine depressive Episode kann einmalig oder mehrfach im Leben auftreten. Bei zwei oder mehr depressiven Episoden spricht man von einer rezidivierenden depressiven Störung. Eine erneute depressive Episode wird dann zum Beispiel als „Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte/mittelgradige/schwere Episode“ bezeichnet.

Während einer depressiven Episode können neben den typischen depressiven Symptome unterschiedliche weitere Symptome auftreten:

  • Vitalstörungen: Zum Beispiel Schmerzen, Druckgefühle auf der Brust, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme.
  • Infektionsanfälligkeit: Die Resistenz gegenüber Keimen und Viren ist herabgesetzt.
  • Denkhemmungen: sinnloses Gedankenkreisen (Grübeln), Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen oder komplexe Sachverhalte zu verstehen.
  • Reizbarkeit, Ängstlichkeit oder Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch Depressionen - erkennen - verstehen - überwinden von Alexander Stern.
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Was ist eine postpartale Depression?

Was ist eine postpartale Depression?

Nach dem Ende einer Schwangerschaft treten bei vielen Frauen Stimmungsveränderungen auf. Diese können harmlos und vorübergehend, aber auch sehr stark und belastend ausfallen. Im schlimmsten Fall tritt eine postpartale (auch postnatale) Depression oder gar eine Psychose auf. Die Symptome sind Niedergeschlagenheit, Ängste, häufiges Weinen oder Grübeln über die Zukunft. Die Sorgen und Ängste drehen sich häufig um Themen, die mit der neuen Mutterrolle und der Versorgung des Neugeborenen zusammenhängen. Etwa 10% der schwangeren Frauen sind davon während oder nach der Schwangerschaft betroffen.

Hinweis
Eine postpartale Depression darf nicht mit einer depressiven Verstimmung verwechselt werden, die manchmal für einige Tage nach der Geburt eines Kindes auftritt. Solche Stimmungsschwankungen werden im Volksmund häufig verharmlosend als „Babyblues“ oder gar „Heultage“ bezeichnet. Eine postpartale Depression ist für die Betroffenen eine gravierend belastende Situation, die nicht verharmlost oder gar belächelt werden sollte. Im schlimmsten Fall kann es zu schweren Psychosen kommen.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen einem „postpartalen Stimmungstief“ und der „postpartalen Depression“:

Postpartales Stimmungstief
Bei einem postpartalen Stimmungstief handelt es sich um einen Zustand gedrückter Stimmung, der häufig bei jungen Müttern in den ersten Wochen nach der Geburt auftritt.

Typische Symptome

  • gedrückte Stimmung
  • Traurigkeit
  • häufiges Weinen
  • Stimmungsschwankungen
  • übertriebene Sorge um das Neugeborene
  • Ängstlichkeit
  • Erschöpfung (oft hervorgerufen durch Schlafmangel oder Überforderung)

Postpartale Depression
Davon zu unterscheiden ist die postpartale Depression (Wochenbettdepression). Eine postpartale Depression kann bis zu zwei Jahren nach der Geburt des Kindes auftreten.

  • Typische Symptome:
  • Traurigkeit
  • Gefühl der inneren Leere
  • Energiemangel
  • Hoffnungslosigkeit
  • sexuelle Unlust
  • Ängste
  • Reizbarkeit

In einigen Fällen kommt es zu einer Ablehnung des Kindes. In extremen Fällen bis hin zu Tötungsgedanken in Bezug auf das Kind oder andere Familienmitglieder.

Postpartale Psychose
In sehr seltenen Fällen kann in den Wochen nach der Geburt zu einer Psychose kommen. Die Symptome wie Verwirrtheit, Angst oder auch Größenwahn, Euphorie, Enthemmung (Manie) oder gar Halluzinationen treten plötzlich auf. Eine Notfallbehandlung in einer psychiatrischen Klinik ist dann unumgänglich. Wie gesagt, sind postpartale Psychosen äußerst selten. Sie treten statistisch bei weniger als 5 von Tausend Fällen auf.

Hilfe
Es wird angenommen, dass depressive Störungen als Folge einer Geburt unter anderem mit der hohen psychischen und physischen Belastung zusammenhängen, die die Schwangerschaft, die Geburt und Sorge um das Neugeborene mit sich bringen. Auch die hormonelle Umstellung und die körperlichen Veränderungen bei der Mutter können eine Rolle spielen. Es ist grundsätzlich hilfreich, die junge Mutter bei der Versorgung des Kindes so gut wie möglich zu unterstützen und ihrem möglicherweise vorhandenen Anspruch auf Perfektion dabei entgegenzuwirken. In schwereren Fällen ist in jedem Fall professionelle Hilfe durch einen Psychiater oder Psychologen notwendig. Obwohl deutlich seltener, sind postpartale depressive Störungen übrigens nicht ausschließlich bei den Müttern zu beobachten. Auch manche jungen Väter sind betroffen.

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Was ist eine Winterdepression (SAD)?

Was ist eine Winterdepression (SAD)?

Die sogenannte „Winterdepression“ oder SAD („Seasonal Affective Disorder“) ist eine von der Jahreszeit abhängige depressive Störung, bei der vermutlich ein Mangel an Tages- bzw. Sonnenlicht eine Rolle spielt. Die saisonale Depression tritt bei manchen Menschen während der Herbst- und Wintermonate auf. Sie kann aber auch beim Aufenthalt in Gegenden mit sehr wenig Sonnenlicht (z.. B. während der dunklen Jahreshälfte am Polarkreis) oder bei häufigem und längerem Aufenthalt unter Tage auftreten.

Typische Symptome:

  • gedrückte Stimmung
  • Ängstlichkeit
  • längere Schlafdauer
  • verstärkter Appetit auf Süßigkeiten
  • Gewichtszunahme

Bei den Letztgenannten handelt es sich um atypische Symptome, die bei einer klassischen depressiven Episode in der Regel nicht auftreten.

Als Ursache für die saisonale Depression nimmt man eine Störung des biologischen Tagesrhythmus an, der durch Lichtmangel hervorgerufen wird. Man geht davon aus, dass ein erniedrigter Serotoninspiegel und der Melatoninstoffwechsel eine Rolle dabei spielen. Die Betroffenen können durch häufigeren Aufenthalt tagsüber im Freien und durch sportliche Aktivitäten selbst zur Besserung beitragen. Zusätzlich kann zum Beispiel eine Lichttherapie oder die Verwendung von Tageslichtlampen zu einer Besserung führen. Auch hoch dosierte Johanniskrautpräparate und schwereren Fällen Antidepressiva können bei der Behandlung zum Einsatz kommen.

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Welchen Arzt soll man bei Depressionen aufsuchen?

Welchen Arzt soll man bei Depressionen aufsuchen?

Die erste Anlaufstelle: Der Hausarzt

Wenn Sie den Verdacht haben, unter Depressionen zu leiden, führt der erste Weg in der Regel zum Hausarzt. Er kennt Sie und Ihre bisherige Krankengeschichte und kann abklären, ob eventuell eine körperliche Erkrankung (z. B. eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder eine Virusinfektion) zugrunde liegt. Kann eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden, hängt das weitere Vorgehen vom Schweregrad Ihrer Erkrankung und von der Qualifikation des Arztes ab. Bei leichten depressiven Verstimmungen wird er Sie vielleicht selbst behandeln. Liegt eine schwere Depression vor, wird er Sie in der Regel zu einem Psychiater überweisen. Auch eine Überweisung zu einem Psychotherapeuten ist möglich, allerdings nicht immer sinnvoll, da dieser Sie zum Beispiel nicht mit notwendigen Medikamenten versorgen kann.

Geben Sie sich nicht damit zufrieden, wenn Ihr Hausarzt nur ein Symptom, wie z. B. Schlafstörungen mit einem Beruhigungs- oder Schlafmittel behandeln will. Das ist bei einer Depression keine brauchbare Lösung, verzögert die Heilung und kann die Symptome sogar noch verschlimmern!

Ach ja, auch wenn es nicht mehr so häufig vorkommt, wie früher: Auf die unsensible Frage „Worum geht es denn?“ der Sprechstundenhilfe, während andere Patienten um einem herumstehen, muss man nicht antworten. Sagen Sie einfach, dass Sie das mit dem Arzt besprechen wollen. Sie müssen das nicht weiter erklären.

Wenn es mit Hausarzt nicht klappt
Viele Hausärzte sind gut über das Thema Depressionen informiert und überweisen die betreffenden Patienten an einen Facharzt. Es gibt aber auch Fälle, in denen Patienten berichten, dass der Hausarzt ihre Problematik nicht erkennt, oder die sich nicht ernst genommen fühlen. Manche Patienten wollen das Thema auch aus anderen Gründen nicht mit ihrem Hausarzt besprechen. Das ist auch gar kein Problem. Sie können jederzeit einen anderen Arzt aufsuchen oder auch direkt zu einem Psychiater gehen. Wenn Sie unsicher sind, können Sie auch Ihren Hausarzt bitten, Ihnen eine Überweisung zu einem Psychiater auszustellen, ohne ihm (dem Hausarzt) ihre Probleme schildern zu müssen. Jeder sensible Hausarzt hat dafür Verständnis.

Der Psychiater
Ein Psychiater ist ein Facharzt für seelische Erkrankungen. Er ist Arzt, hat also ein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen und anschließend eine 5-jährige Facharztausbildung absolviert. Manche – aber nicht alle – Psychiater haben zudem eine Zusatzausbildung für Psychotherapie. Im Gegensatz zu Psychologischen Psychotherapeuten, die in der Regel keine Ärzte sind, kann der Psychiater Medikamente verschreiben und Laboruntersuchungen veranlassen. Ein Neurologe ist übrigens kein Psychiater! Auch wenn es häufig die Doppelqualifikation Neurologe/Psychiater gibt, ist ein Facharzt, der „nur“ Neurologe ist, kein Experte für psychische Erkrankungen. Im Gegensatz zum Psychiater ist ein Neurologe für organische Erkrankungen des Nervensystems, des Rückenmarks und des Gehirns zuständig.

Der Psychologische Psychotherapeut
Theoretisch können Sie auch direkt einen Psychologischen Psychotherapeuten aufsuchen. Aber auch der Psychotherapeut benötigt einen Bericht eines Arztes (vom Hausarzt oder Psychiater), aus dem hervorgeht, dass keine körperliche Erkrankung für Ihre Symptome verantwortlich ist. Es macht also in jedem Fall mehr Sinn, zuerst den Hausarzt aufzusuchen.
Psychologische Psychotherapeuten sind in der Regel keine Ärzte. Das heißt, ein solcher Therapeut kann selbst keine Medikamente verschreiben oder Laboruntersuchungen veranlassen. Vor Beginn einer Therapie bei einem Psychotherapeuten muss ein Antrag bei Ihrer Krankenkasse oder Krankenversicherung gestellt und bewilligt werden.

Kombiärzte
Es gibt eine ganze Reihe von Allgemeinmedizinern, die neben ihrer Tätigkeit als Hausärzte auch eine psychotherapeutische Tätigkeit ausüben. Sie erkennen solche Ärzte an der Bezeichnung „Ärztliche Psychotherapeuten“. Es ist wichtig darauf zu achten, denn nur Ärzte, die eine Zusatzweiterbildung in Psychotherapie oder Psychoanalyse durchlaufen haben, dürfen diese therapeutischen Leistungen auch mit der Krankenkasse abrechnen.

Patienten mit einer bipolaren Störung
Patienten, die unter einer bipolaren Störung leiden, benötigen eine besonders intensive und kompetente Behandlung, die weitaus komplexer sein kann als die Behandlung einer „einfachen“ Depression. Die allermeisten Hausärzte können eine solche Behandlung nicht leisten. Ihnen fehlen das Wissen und die Erfahrung, die für die erfolgreiche Behandlung bipolarer Störungen notwendig sind. Wer weiß oder vermutet, an einer bipolaren Störung zu leiden, sollte immer sofort einen Facharzt (Psychiater) aufsuchen. Optimalerweise einen, der bereits über Erfahrung mit diesem Krankheitsbild verfügt.

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Was soll ich meinem Arzt sagen?

Was soll ich meinem Arzt sagen?

Das hängt natürlich ein wenig davon ab, welchen Arzt Sie aufsuchen. Ein Hausarzt, bei dem Sie schon länger in Behandlung sind, kennt Sie natürlich schon relativ gut. Er kennt Ihre Krankengeschichte und wahrscheinlich auch Ihre Lebensumstände. Schildern Sie dem Arzt Ihre Probleme. Auch und insbesondere, was Sie seelisch bedrückt. Berichten Sie, über Ihre Sorgen, ob Sie traurig sind oder häufig grübeln. Berichten Sie auch darüber, wenn Sie keine Freude mehr an Dingen haben, die Ihnen früher Spaß gemacht haben. Teilen Sie dem Arzt auch mit, wenn Sie unter Schlafproblemen leiden, häufig müde sind oder unter Schmerzen leiden. Je genauer Sie dem Arzt schildern, was Sie bedrückt, desto besser kann er erkennen, ob eine ernsthafte seelische Störung vorliegt.

Wichtige Informationen für Ihren Arzt
Ihr Arzt wird Ihnen einige Fragen stellen. Diese können sich auf Ihre aktuellen Beschwerden, aber auch auf Ihre Krankheitsgeschichte, auf Ihr soziales Umfeld oder die Familie beziehen. Dies sind einige typische Fragen, die Ihr Arzt Ihnen vielleicht stellen wird:

  • Wie äußern sich Ihre Beschwerden? Welche Symptome treten auf?
  • Wie lange bestehen die Beschwerden schon? Wann sind sie zum ersten Mal aufgetreten?
  • Was passiert in Ihren Gedanken? Worüber grübeln Sie nach? Wovor haben Sie Angst?
  • Hatten Sie schon früher Probleme mit Depressionen oder Stimmungsschwankungen?
  • Waren Sie schon einmal deswegen in Behandlung?
  • Leiden Sie unter einer körperlichen Erkrankung?
  • Leiden Sie unter einer Allergie?
  • Leiden Sie unter Schlafstörungen?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol? Wenn ja, wie viel?
  • Konsumieren Sie, oder haben Sie früher andere Drogen konsumiert?
  • Gibt es oder gab es Phasen, in denen Sie sich besser gefühlt haben? Wenn ja, wann und unter welchen Umständen war das der Fall?
  • Haben Sie Probleme, sich zu konzentrieren? Wie sieht es mit Ihrem Gedächtnis aus?
    Gab es in den letzten Monaten besonders belastende Ereignisse?
  • Gibt oder gab es in der Familie schon Fälle von Depression, Schwermut oder Melancholie?
    Wenn ja, wie wurden diese behandelt? Welche Medikamente haben geholfen?
  • Gibt es oder gab es in der Familie andere psychische Störungen?
  • Gab es in der Familie oder im engeren Umfeld bereits Suizide oder Suizidversuche?

Tipp: Notizen machen
Notieren Sie sich vor dem Arztbesuch die wichtigsten Dinge, die Sie mit ihm besprechen wollen. Sie können so leicht vermeiden, in der Gesprächssituation etwas Wichtiges zu vergessen.

Es tut gut, reden zu können
Auch wenn es am Anfang schwerfällt, berichten fast alle Betroffenen, dass es Ihnen sehr gut tut, endlich einmal offen über ihre Probleme sprechen zu können.

Ein Arzt oder Therapeut weiß, worum es geht
Sie müssen sich nicht verstecken. Ärzte und Therapeuten wissen, was bei einer Depression passiert und wie Sie sich fühlen. Sie müssen nicht den „Schein wahren“ oder tapfer sein. Sie können und sollten sich genau so zeigen, wie Sie sich fühlen.

„Ich habe Angst davor, einem Fremden meine Gefühle zu schildern.“
Den meisten Menschen ist es nicht angenehm, einem Fremden gegenüber ihre Gefühle zu offenbaren. Wenn es Ihnen auch so geht, müssen Sie sich keine Gedanken machen. Das ist völlig normal. Ärzte und Psychotherapeuten kennen das Problem und jeder erfahrene Arzt oder Therapeut kann damit umgehen.

Ärzte und Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht
Sie müssen keine Bedenken haben, dass irgendetwas, von dem, was Sie berichten, nach außen dringt. Alles, was Sie mit einem Arzt oder Therapeuten besprechen bleibt „unter vier Augen“. Der Gesetzgeber verpflichtet Ärzte und Therapeuten dazu, alle Informationen vertraulich zu behandeln. Das betrifft im Übrigen auch Mitarbeiter und Praxishelfer. Auch sie sind dazu verpflichtet, über alles, was sie über einen Patienten erfahren, Stillschweigen zu bewahren.

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Was passiert bei einer Psychotherapie?

Was passiert bei einer Psychotherapie?

Viele Menschen haben nur eine sehr ungenaue Vorstellung davon, was bei einer Psychotherapie geschieht. Oftmals beruhen die Vorstellungen davon auf Hörensagen oder auf ungenauen Informationen aus den Medien. Nicht wenige denken bei dem Begriff Psychotherapie automatisch an ein Szenario, in dem der Patient auf einer Couch liegt, während der Therapeut danebensitzt, zuhört und sich ab und zu Notizen macht. Das hat allerdings nur wenig mit dem zu tun, worum es bei modernen psychotherapeutischen Verfahren geht.

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Psychotherapie um ein wissenschaftlich fundiertes therapeutisches Verfahren, mit dem psychische Erkrankungen ohne den Einsatz von Medikamenten behandelt werden. Das bedeutet nicht, dass die Patienten für die Dauer der psychotherapeutischen Behandlung keine Medikamente einnehmen dürfen. Nur sind diese eben nicht Teil der psychotherapeutischen Behandlung. Die setzt nämlich im Gegensatz zur Psychopharmakotherapie (also der Therapie mit Medikamenten) auf Gespräche und das Erlernen von Verhaltensmustern, die sich günstig auf die Erkrankung bzw. deren Überwindung auswirken. Und auch, wenn es manchmal so dargestellt wird: Psychotherapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva sind keine Gegensätze. Sie ergänzen einander.

Gespräche
Fast alle Psychotherapien laufen in Gesprächsform ab. Das heißt, der Therapeut stellt dem Patienten eine Frage oder dieser berichtet von sich aus darüber, was ihn beschäftigt. Durch Nachfragen kann der Therapeut genauer herausfinden, wo die Probleme des Patienten liegen. Manchmal wird der Therapeut das Gesagte auch mit anderen Worten wiederholen. Dem Patienten selbst wird dadurch oft klarer, was er meint oder warum er eine bestimmte Ansicht vertritt. Überhaupt wird ein Therapeut häufig nachfragen, warum der Patient bestimmte Dinge glaubt oder vermutet. Der Patient erkennt dadurch, dass viele seiner negativen Annahmen keine reale Grundlage haben und nur auf ungünstigen Annahmen basieren.

„Hausaufgaben“
Insbesondere bei verhaltenstherapeutischen Verfahren wird viel Wert auf die aktive Mitarbeit des Patienten gelegt. Ein guter Verhaltenstherapeut wird dem Patienten regelmäßig Aufgaben mit auf den Weg geben, die dieser bis zur nächsten Therapiesitzung erledigen soll. Das kann zum Beispiel das Führen eines Stimmungstagebuchs sein, oder auch die Umsetzung des in der Therapie Erlernten im Alltag. Eine typische Aufgabe ist auch das Aufschreiben negativer Gedanken oder Vermutungen und deren Überprüfung an der Realität. Insbesondere die Übertragung von neu erlernten Denk- und Verhaltensweisen in den Alltag hat nachhaltige positive Effekte, die weit über das Ende der Therapie hinaus reichen.

Tests
Unter Umständen wird der Therapeut zu Beginn und im Verlauf der Sitzungen einen oder mehrere Tests mit dem Patienten durchführen. Dazu werden sogenannte „standardisierte“ Tests verwendet, also solche, die wissenschaftlich erprobt sind. Der Patient füllt dazu Fragebögen aus oder beantwortet Fragen des Therapeuten. Dieser wertet den Test dann nach bestimmten Regeln aus. Therapeut und Patient erhalten dadurch wichtige Informationen, die die Persönlichkeit oder bestimmte Denkmuster des Patienten betreffen. Wird ein solcher Test nach einigen Wochen oder Monaten wiederholt, lassen sich die Fortschritte ablesen, die der Patient in der Therapie gemacht hat.

Schwierige Therapiesituationen
Im Verlauf einer Therapie kommt es immer wieder vor, dass Themen oder Probleme zur Sprache kommen, über die zu sprechen es dem Patienten schwerfällt. Es kann auch passieren, dass der Patient beginnt, zu weinen, wenn es um schmerzliche Erfahrungen oder Erkenntnisse geht. Viele Patienten fürchten sich vor dieser Situation. Diese Sorge ist aber unbegründet. Ein guter Therapeut weiß, wie er damit umgehen muss, und wird den Patienten entsprechend rücksichtsvoll behandeln. Offene und vertrauensvolle Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil jeder Psychotherapie. Deshalb ist es wichtig, schon bei der Auswahl des Therapeuten darauf zu achten, dass dieser sympathisch und vertrauenserweckend wirkt.

Erlernen von Entspannungsverfahren
Unter Umständen bietet der Therapeut dem Patienten das Erlernen und Einüben bestimmter Übungen zur Entspannung an. Der Patient lernt dadurch, sein Stresslevel aktiv zu reduzieren. Er kann so Anforderungen im Alltag entspannter und angstfreier bewältigen.

Begleitet mich der Therapeut im Alltag?
Auch wenn man im Film immer wieder Therapeuten sieht, die ihre Patienten im Alltag begleiten und unterstützen, kommt dies in der Realität nur selten vor. Der Normalfall ist, dass der Patient einen Termin bekommt und den Therapeuten zum angegebenen Zeitpunkt in dessen Praxisräumen aufsucht. Ein Kontakt zwischen Therapeut und Patient kommt außerhalb der Praxis im Normalfall bestenfalls telefonisch vor.

Wie eine bestimmte Therapiesitzung im Detail abläuft, hängt vor allem von der Methode ab, nach der der Therapeut arbeitet.

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