Dabei handelt es sich um eine Behandlungsform, die in der Regel bei stationären Aufenthalten in der Klinik durchgeführt wird. Sie kann aber auch zu Hause vom Patienten selbst durchgeführt werden. Der Begriff „Schlafentzug“ wirkt auf den ersten Blick ein wenig bedrohlich, weshalb die Bezeichnung „Wachtherapie“ bevorzugt wird.

 Eine Wachtherapie wird meist in der Form eines partiellen Schlafentzugs durchgeführt. Dabei wird nur auf den Schlaf in der zweiten Nachthälfte verzichtet. Die Patienten werden um 2:00 Uhr morgens geweckt und bleiben dann auch wach. Bei mindestens der Hälfte der Patienten tritt dann am Tage eine spürbare Verbesserung der Stimmung ein. Diese hält den Tag über an. Bei etwa 15 % der Patienten bleibt die verbesserte Stimmung über einen längeren Zeitraum bestehen, bei den meisten klingt sie aber nach dem nächsten normalen Nachtschlaf wieder ab.

Trotzdem ist die Wachtherapie für viele Patienten eine große Hoffnung. Oftmals erleben sie dadurch nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, dass sie sich besser fühlen können. Dazu kommt, dass das Mittel der Wachtherapie jedem Patienten immer zur Verfügung steht. Die Patienten erleben also, dass sie selbst ihre Stimmung beeinflussen können. Sie schöpfen Hoffnung und bekommen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Ein nicht zu unterschätzender positiver Effekt! Ein weiterer Pluspunkt der Wachtherapie ist, dass sich die Wirkung sofort zeigt. Die Patienten müssen also nicht wochenlang auf eine Wirkung warten, wie zum Beispiel beim Einsatz von Antidepressiva.

Einige Therapeuten empfehlen eine anschließende Schlafphasenverlagerung, um die positiven Effekte länger aufrechtzuerhalten. Dabei legt sich der Patient nach der Wachtherapie an den folgenden Tagen bereits früher schlafen. Beginnend bei etwa 16:00 Uhr wird der Zeitpunkt des Schlafengehens jeden Tag um eine Stunde weiter nach hinten geschoben. So lange, bis die normale Schlafenszeit um 22:00 Uhr oder 23:00 wieder erreicht ist. Die erste Durchführung einer Wachtherapie sollte unter Aufsicht, am besten in einer Klinik, stattfinden. Später kann der Patient diese auch alleine zu Hause durchführen.

Tipps zur Wachtherapie:

Kein Mittagsschläfchen
Man sollte vermeiden, tagsüber nach der verkürzten Nacht zu schlafen. Oft macht schon ein kurzer Schlaf am Tag die positiven Effekte wieder zunichte.

Angenehme Tätigkeiten suchen
Damit das frühe Aufstehen und Wachbleiben leichter fällt, sollte man sich für diese Zeit etwas Angenehmes vornehmen. Manchen Patienten fällt das Aufstehen leichter, wenn Sie es mit einer angenehmen Vorstellung (zum Beispiel Aufbruch zu einer Urlaubsreise) verbinden.

Eine Wachtherapie hilft sowohl Patienten mit schweren als auch leichteren Depressionen. Sie kann problemlos zwei Mal pro Woche durchgeführt werden.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch Depressionen - erkennen - verstehen - überwinden von Alexander Stern.
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